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I'm looking to the mountains

Bin zurück. Früher als gedacht. Hm, was soll ich sagen. Es hat einfach nicht gepasst. Ursprünglich fröhlich und motiviert fühlte ich mich von Tag zu Tag kleiner und eingeengter, unfrei und traurig. Aber von Anfang an. 

Der Aufstieg am Sonntag vor einer Woche gestaltete sich abwechslungsreich und schön. Steil ging es bergan von Anfang an. Zuerst über eine Wiese und durch den Wald, später auf dem Geröll hoch zur auf 2560 m.ü.M. hoch gelegenen Hütte. Auf dem Weg flogen unzählige Schmetterlinge in die Luft, dann und wann kam ich an einen Bach oder einen beeindruckenden Wasserfall und ein Frosch hüpfte auf dem Wanderweg davon ins Grüne. Romantisch.

Nach 2,5 Stunden erreichte ich das Ziel, die Gitalele hinten auf den Rucksack gebunden. Ich betrat die Küche bzw.nein, ich blieb eben stecken wegen des Instruments hihi und schon erntete ich einen verstörten Blick im Sinn von: "Was ist denn das für eine".

Unser Team bestand aus drei Leuten, dem Hüttenwart und uns zwei Hilfen. Die andere verbrachte bereits die dritte Woche oben und hatte so ziemlich alles im Griff. An Arbeiten gab es Kuchen zu backen (yeah!), zu staubsaugen und putzen, kochen, abzuwaschen, Tisch zu decken und abzuräumen, Betten zu machen, Tagesgäste zu bedienen etc. Für mich war Vieles neu. Das Kochen mit dem Gasherd, die vielen verschiedenen Getränke, Betten herrichten nach Anleitung...wer mich kennt, kann sich vorstellen, dass es bei solchen Arbeiten etwas schusselig zu und hergeht aber he, what's the problem?! Auf jeden Fall merkte ich ziemlich schnell, dass ganz bestimmte Regeln galten, wie man sich auf einer ¨hochalpinen Hütte¨ zur verhalten hat. Extrem sparen mit allem: Trinken (also Mineralwasser, Wein gab es zum Vergiessen), essen (zumindest vegetarisch), Zähneputzen, duschen etc. Wenn ein Gast nach einem alkoholfreien Bier fragte, reagierte man empört, schliesslich sei man hier im Wallis und wehe dem, der sich eine Zigarette gönnte dans les montagnes..ça on ne fait pas. 

Als offener Freigeist und mit der Ambition es möglichst recht zu machen, trat ich in so manches Fettnäpfchen, was mit Augenverdrehen und seltsam angespannter Stimmung, sobald ich den Raum betrat, quittiert wurde. 

Nach ein paar Tagen, in denen ich mich so was von unwohl fühlte und das Verhalten der anderen zwei auch nicht länger hinnehmen wollte, suchte ich das Gespräch mit dem Chef. Er meinte, es brauche Zeit am Anfang und es sei nicht einfach, in ein funktionierendes Team zu kommen. (Oh ja!) Vegetarismus in den Bergen, da sei er aber schon dagegen. Er sprach auch noch mit der anderen Hüttenhilfe und ich dachte, dass wir einen Weg finden würden. Doch die folgenden Tage wurde es nicht besser. Ich fühlte mich wie das fünfte Rad am Wagen. Dass sie nur französisch sprachen, erschwerte es für mich zusätzlich, den Anschluss zu kriegen. Naja, ich hatte bald auch keine Lust mehr dazu. 

Und so entschloss ich, das Projekt abzubrechen. Ich merkte, dass ich dieses Mal die Handbremse früher ziehen musste, statt durchzusiechen, wie ich es schon oft getan hatte. Das Leben bot mir sozusagen die Gelegenheit.*seufz*. Und yes! Ich schaffte es. Als ich am Samstagabend dem Hüttenwart meine Entscheidung eröffnete, spürte ich einen Hauch von schlechtem Gewissen er meinte, es täte ihm leid. Die zwei lieben Freundinnen, welche vom Samstag auf den Sonntag bei uns übernachteten, begleitete ich nur zu gern wieder ins Tal runter und wir machten uns gemeinsam auf den Heimweg.

Puh. Was für eine Erfahrung. Bin nun sehr glücklich, wieder Zuhause zu sein. Geniesse den Vierwaldstättersee und gönne mir eine Pause. 

Etwas Gutes hatte der Aufenthalt, natürlich einiges. Ich hatte die Chance, wieder ein Stück zu wachsen und die Hütte an sich fand ich sehr schön. Es wurde toll gekocht und das Kuchenbuffet war schlicht der Hammer. Auch wurde mir bewusst, sparsam mit den Ressourcen umzugehen, es braucht eine Menge (Solar)strom um ein Handy aufzuladen, krass. 

Ein neuer Song ist entstanden. 

Auch wenn die Erfahrung schmerzhaft war, ich fühlte mich ausgegrenzt wie noch nie in meinem Leben, bin ich trotzdem dankbar. Dankbar dafür, dass ich die Chance nutzte, ganz klar Verantwortung für mich zu übernehmen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Alexandra (Dienstag, 24 Juli 2018 16:14)

    Wow, toll, deine Geschichte zu lesen und wie du dich für DEINEN Weg entschieden hast. Du hast es versucht und so viele neue Erfahrungen machen dürfen aus unangenehmen Erlebnissen. Das finde ich mega kraftvoll von dir. Und dass daraus ein neuer Sony entstehen durfte und du deine Geschichte allen zu lesen gibst ist doch der Hammer. Geniesse den Sommer an unserem schönen Vierwaldstättersee und gönn dir bewusst etwas Überfluss, yeah!